Stadtplanung absurd

Jahrelang wurde im Stadtplanungsamt, im Umweltamt sowie in weiteren Teilen der Stadtverwaltung Dresden akribisch über die Entwicklung des Gebietes zwischen Leipziger Straße, Erfurter Straße, Großenhainer Straße und Eisenbahnstraße wie auch die stadtplanerische Entwicklung von Dresden insgesamt nachgedacht. Es wurden Konzepte erstellt, Straßen- und Nutzungspläne entworfen und ausführliche Begründungen formuliert. Anschließend wurden diese stadtplanerischen Ideen und Entwürfe dem Dresdner Stadtrat zur Entscheidung vorgelegt. Mit großer Mehrheit oder einstimmig wurden diese Pläne beschlossen. Sei es das Einzelhandelskonzept, das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (kurz: INSEK) und sein Zentrenkonzept, der Flächennutzungsplan, das Leitbild Innenstadt oder eben der Masterplan Leipziger Vorstadt.

Jetzt sollen diese gut durchdachten Ideen plötzlich Makulatur sein? Schließlich widersprechen die SB-Warenhauspläne in Lage und Größenordnung diametral all diesen Stadtratsbeschlüssen und lassen so manchen Stadtverwaltungsmitarbeiter am Sinn seiner Arbeit zweifeln. Die Missachtung all dieser mit großer Mehrheit oder einstimmig beschlossenen Pläne untergräbt das Vertrauen in die Verlässlichkeit von Beschlüssen, darüber hinaus wären Steuermittel verschwendet, etwa der Einsatz von Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) in Pieschen.

Der Standort ist nicht integriert, liegt weitab der Wohnsiedlungen und schafft so autofixierte Handelsstrukturen. Damit durchkreuzt das Globus-Projekt die Vorgabe des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts, die Ortsteilzentren zu stärken. Dies umso mehr da Globus nach der Dresdner Sortimentsliste ein Vollsortimenter ist.

Leitmotto des Masterplans Leipziger Vorstadt ist „Park schafft Stadt“. Parkplätze waren damit eindeutig nicht gemeint. Beschlossenes Planziel ist ferner eine möglichst kleinteilige Nutzungs- und Bebauungsstruktur. Der Masterplan sieht dafür ein neues Stadtviertel mit Straßen, Wegen und Grünstreifen vor, das sich in die vorhandene Umgebung einfügt und deren Straßenraster folgt. Das nördlich angrenzende Gründerzeitviertel (Alexander-Puschkin-Platz/Erfurter Straße) wird durch diese neue Leipziger Vorstadt nach Süden ergänzt.

Das im Kern monofunktionale Großvorhaben Globus ist das genaue Gegenteil davon. Der geplante Zweckbau für das geplante SB-Warenhaus und die Parkplatzflächen wirken wie ein Riegel. Die angestrebten Wegeverbindungen zwischen Neustadt und Hafencity, die sinnvolle Schließung der Siedlungslücke zwischen Pieschen und der Innenstadt wird endgültig und irreparabel verbaut. Wer will schon über einen großen Parkplatz flanieren oder neben einem Einkaufszentrum wohnen. Es ist auch keine angemessene Umgebung für die denkmalgeschützten und verkehrsgeschichtlich sehr bedeutsamen Eisenbahnanlagen. Diese sind durch andere Maßnahmen zu sichern.

Wir setzen uns dafür ein, dass gut durchdachte Pläne umgesetzt werden und nicht - wie hier - wieder einmal durch eine nicht mehr rückgängig zu machende Ausnahmeentscheidung durchkreuzt werden. Schließlich ist die Entwicklung des Gebietes auch ohne die Ansiedlung eines riesigen stadtunverträglichen SB-Warenhauses möglich.